Mittwoch, 15. April 2009

Einmal mit Google essen gehen

"Denk' ich an Google in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht!"

So abgewandelt könnte dieses Zitat Heinrich Heines lauten, wenn ich mir einmal mehr bewusst werde, welchen Umfang eine einfache Online-Suchmaschine haben kann, oder, um es mit den Worten Joe Pescis als Nicky in "Casino" zu sagen: "Die Bosse!"

Google, ein erstaunliches Stückchen EDV hat die Kunst der stillen Unterwanderung auf eine neue Ebene gehoben. Google, das bedeutet Weltherrschaft!
Vorbei sind die Tage des schnöden Krieges im klassischen Sinne, vorbei der Kampf ums Öl. Der wahre Streitgegenstand wird in Währungen gemessen und wechselt den Besitzer online. Banken dienen nur als Mittel zum Zweck, denn wer braucht den Vorsitz über eine Geldinstitut, wenn er Google Chrome haben kann...

Lafayette Ronald Hubbard, der Autor zahlreicher Science-fiction-Romane, soll sich eines Tages gefragt haben, weshalb er einen Roman nach dem anderen schreiben sollte, wenn er stattdessen eine Religion gründen und Millionär werden könnte. Kurz darauf begann im Übrigen die umstrittene aber äußerst erfolgreiche Geschichte einer Organisation namens Scientology. Google ist wie Scientology, einzig mit dem Unterschied, dass es die Gehirne nicht wäscht sondern speichert. Google ist omnipräsent. Im OpenSource-Programm Firefox von Mozilla ist es als Suchmaschine für ganz Eilige voreingestellt. Das werbungsüberladene Chatprogramm ICQ bietet schon bei der Installation an, eine Google-Toolbar mit zu installieren. Der unwissende Leser mag jetzt vielleicht ein naives "Das ist ja toll" denken, was auch nicht weiter schlimm wäre, handelte es sich bei diesem (tollen) Handwerkszeugsbalken um eine Optoin, die ich ergänzen könnte. Tatsächlich aber muss ich die Installatoin des Add-Ons deaktivieren, sollte ich sie nicht nutzen wollen. Zugegeben, das klingt paradox, aber das ist es leider auch. Die Vorgehensweise steht im höchsten Maße im Gegensatz zum gesunden Menschenverstand. Stellt Euch nur einmal vor, Ihr säßet in einem Restaurant und hättet Euch ein Schweineschnitzel mit Rahmsoße und einer Portion Pommes Frites bestellt.

- Um der Randgruppe der Vegetarier nicht auf die feingegliederten Wurzeln zu treten, kann
das georderte Schnitzel auch durch zwei schmackhafte Bratlinge ersetzt werden.
- Liebe außerhalb des Randes stehende Veganer, die Ihr noch Probleme mit der Rahmsoße
habt..... Ihr könnt mich mal!

Nun wartet Ihr beharrlich auf Eure Kost und bekommt schließlich einen großen Teller, der ziemlich unübersichtlich bis zum Rand mit allem gefüllt ist, was der gastronomische Betrieb Eures Vertrauens zu bieten hat. Irgendwo in Mitten dieses Berges fürchten sich ein Schnitzel (oder zwei Bratlinge) mit Rahmsoße und eine Portion Pommes Frites vor Eurem Hunger und sind umgeben von Rindsrouladen, Hammelkeulen, Lammfilets und Unmengen an Gemüse, auch solchem, welches Ihr nicht nur nicht bestellt hattet, welches Ihr vor allem aber gar nicht mögt. Zu diesem Berg Happa Happa bekommt Ihr zudem einen weiteren leeren Teller gereicht. Auf diesem könnt Ihr nun all die Nahrung abladen, welche nicht Euren Wünschen, geschweige denn Eurer Rechnung entspricht.
Das ist Google und wer der Meinung ist, der Vergleich zwischen einem Berg der Dekadenz und einem kleinen Chatprogramm sei viel zu übertrieben, der kann ICQ einfach durch Windows Vista Home Premium (oder wie das auch immer heißen mag) ersetzen. Bei der Installation des Betriebssystems konnt ich tatsächlich irgendeinen Google Chrome Zusatz (vielleicht sogar Chrome selbst; da bin ich mir nicht sicher) mit installieren. Ich wiederhole: Ein Betriebssystem der Firma, die auch den Internet Explorer vertreibt, bietet mir an, ein Konkurrenzprodukt zu nutzen.
Um unseren Restaurantvergleich noch einmal zu Rate zu ziehen, so stellt Euch vor, der Kellner würde Euch den Fressalienteller auf den Tisch stellen und daneben einen bezahlten Gutschein für ein MacMenü legen, für den Fall, dass Ihr Eure Meinung über den Verzehr Eures Schnitzels geändert hättet. Natürlich müsstet Ihr nicht wählen. Ihr könntet selbstverständlich den Gutschein nutzen und das Schnitzel einpacken lassen und mitnehmen.
Ehrlich, wenn der Microsoftkonzern zur Sprache kommt, muss ich unweigerlich an meinen Bruder denken, der in solchen Fällen stets "Ich mag Windows. Damit kann man Linux downloaden" zum Besten gibt.

Doch kommen wir zurück zu Google. Google ist stolzer Besitzer des Gemaerzfeindes Youtube und das auch nur, damit es kein anderer hat, und Google wird an der Börse gehandelt.
Es gibt eine Folge der Serie "Pinky und Brain", in der die beiden Mäuse den Microsoftkonzern (Ich mag Windows...) übernehmen. Sie bauen dafür einen Roboter, der genauso aussieht wie Bill Gates, entführen das Original, um an dessen Stelle zu treten und kaufen mit dem Vermögen des Konzerns Aktien, woraufhin ihnen 51 Prozent der Welt gehören. Mich beschleicht die Vermutung, dass die Vorstandsetage von Google zu oft "Pinky und Brain" geschaut hat.

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