Sonntag, 27. Januar 2013

The First, the Last, the Everything

Im Laufe eines Lebens widerfahren einem Menschen die unterschiedlichsten Dinge, positive wie auch negative.
Der Mensch wächst heran. Er mag eine traurige oder auch eine glückliche Kindheit haben. Es mag sein, dass er viel lacht, es mag sein, dass er weint. Ihm wird etwas geschenkt. Anderes muss er sich erarbeiten.
Auch im beruflichen Bereich gibt es viel für ihn zu erleben. Und auch hier wird es schöne Momente geben und solche, die er lieber aus seinem Gedächtnis vertreiben möchte.

Von naturwissenschaftlicher Seite aus betrachtet ist ein Mensch eine Ansammlung von Organen, Knochen, Muskeln usw. und vor allem Nerven. Letztere bündeln sich in seinem Kopf und und die über sie transportierten Informationen werden dort im Gehirn verarbeitet. Die Folgen dieser Verarbeitungen finden sich in dem wieder, was allgemein hin als Gefühle oder Empfindungen bezeichnet wird. Dadurch ist es dem Menschen oder vielmehr dem Körper möglich zu lernen und bei gleichen oder ähnlichen Situationen entsprechend zu agieren und zu reagieren.

Vernachlässigt man indes diese biologische Seite, so sieht man einen gänzlich anderen Menschen vor sich, doch auch hier geht es um Gefühle und Empfindungen. Spirituell gesehen ist hier die Seele der passende Ansprechpartner. Sie ist die Antriebsfeder für alles, was der Mensch denkt und macht.
Hier wurzeln eben jene Gefühle, die aus einem Menschen das machen, als das er allgemein hin betrachtet wird.

Ob es so etwas, wie eine Seele, gibt, kann ich nicht beantworten. Da ich kein spiritueller Mensch bin, muss ich es allerdings verneinen. Die Existenz von Gefühlen und deren Auswirkungen indes kann ich nicht verleugnen.

Was aber ist das oberste Maximum in dieser Welt der Gefühle?
Ist es die sogenannte pure Freude, die unermessliche Tiefe einer Trauer?
Was wiegt mehr?
Ist es der Moment, in dem man erkennt, dass ein anderer Mensch bedingungslos für einen da ist oder wiegt der Verlust eines nahestehenden Menschen schwerer?

Aus meiner Sicht liegt dieses Maximum des Empfindens irgendwo in dem Kanon der Gefühle, die mit dem lediglich zweisilbigen aber dennoch gigantischen Wort der Liebe umfasst werden.
Von daher stellt sich die Frage, ob es etwas schöneres und zugleich schrecklicheres gibt als eben jene Liebe...

Ich gehe davon aus, dass, wenn ein Mensch einen anderen kennen lernt und ein gewisses Maß von Verbundenheit zwischen einander zu sehen glaubt, dies noch lange keine wahre Liebe ist. Wahrscheinlich ist es eher ein Vergucken oder im besten Fall ein Verliebt sein. Liebe entsteht erst später, also dann, wenn einige Zeit ins Land gegangen ist und diese Verbundenheit auf die Probe gestellt wurde.
Diese Probe kann unterschiedlich ausfallen. Vielleicht gibt es ein Problem zu meistern oder es gilt, über einen längeren Zeitraum mit einander zu leben und den anderen in einer Weise kennen zu lernen, so dass man sich in ihn hineinversetzen kann.
Manchmal fühlt man sich einfach nur bei einem anderen Menschen geborgen und ist schlicht glücklich, wenn man in seiner Nähe sein darf. Die Probe könnte in diesem Fall die sein, dass man für längere Zeit getrennt von einander ist und sich eines schönen Tages wiedersieht. Besteht dann diese innere glückliche Ruhe weiterhin, so könnte auch dies ein Indiz dafür sein, dass das anfängliche Verliebtsein sich gewandelt und weiterentwickelt hat.

Sagen wir, dass es eine Verbundenheit zweier Menschen gibt und dass diese Verbundenheit schon auf eine Probe gestellt wurde. Sagen wir also, dass zwischen den beiden Menschen so etwas wie Liebe entstanden ist.
Hier nun sehen wir das sprichwörtliche höchste der Gefühle. Die Liebe ist der ständige Begleiter der beiden Menschen. Sie umgibt sie und wärmt sie auf emotionaler Seite und ganz gleich, wie die äußeren Umstände auch sein mögen, die beiden Menschen haben immer einander und können sich auf den jeweiligen anderen verlassen.
Liebe ist somit gleichsam auch ein Refugium in das sich die beiden zurückziehen können, wenn es einmal zu schwer wird. Sie ist ebenso der Ruhepol, den die beiden Menschen nutzen können, um sich zu entspannen und zu erholen.

Sagen wir nun, dass diese Verbundenheit von einseitiger Natur ist. Einer der beiden Menschen hat die Verbundenheit für sich erkannt und auch die Probe, auf die sie gestellt wurde, wurde bestanden.
Erneut ist es zu einem Zustand der Liebe gekommen, doch diese Liebe ist nicht gegenseitig.
Was wir hier erkennen ist nunmehr der schlimmste Fall, der einen Menschen treffen kann. Er ist hin und hergerissen. Auch in dieser Situation wird der Mensch von Liebe umgeben, auch er hat ein Refugium. Doch gleicht dieser Rückzugsort eben keinem Ruhepol. Im Gegenteil. Er heizt den Menschen weiter auf, trübt seinen Blick und lässt etwas, dass zum Greifen nahe ist, in schier unendlicher Ferne sein.
Der Mensch hat nun zwei Möglichkeiten. Entweder er gibt auf und verbannt alle den anderen Menschen betreffenden Empfindungen aus seinem Geist (wieder ein spiritueller Begriff; vielleicht ist Alltag auch ein Wort der Wahl) und nimmt emotional so viel Abstand wie irgend möglich, oder er verweigert sich dieses Rettungsrings. Entscheidet er sich für den zweiten Weg, so ist er aufgeschmissen und womöglich Gefangener seiner selbst. Was soll er nun tun?
Der Mensch weiß, dass er auf dem richtigen Weg ist, dass der andere Mensch ihm als das bieten kann, was er begehrt (und da sind sexuelle Angelegenheiten noch gar nicht inbegriffen. Diese sind additiv zu dem zu sehen, was ich bisher geschrieben habe).
Aber an irgendeiner Stelle beißt der Mensch auf Granit. Er kommt nicht zu seinem Gegenüber durch.
Gibt es eine eindeutige Lösung für dieses Dilemma? Die Liebe, die der Mensch empfindet, frisst ihn nahezu auf und kann entscheidende Auswirkungen auf seinen Alltag haben. Abgrenzung von anderen, Aggression auf Grund von Unausgeglichenheit. Nennt es, wie Ihr es wollt. Die Auswirkungen sind wahrscheinlich mehr als zahlreich.
Und wenn alles schief läuft, entdeckt der Mensch Strohhalme vor sich aufblitzen. Kleine und Kleinstlichtblicke, nach denen er greift, um die Barriere zu durchbrechen und so vielleicht doch noch zu dem anderen Menschen durchzudringen. An dieser Stelle ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen wahrscheinlich kaum mehr als eine vage und äußerst wohlmeinende Umschreibung der Katastrophe, in der sich der Mensch befindet.

Der Gipfel dieser Apokalypse, dieses inneren Weltuntergangs, ist demnach zugleich der Todesstoß für den ohnehin schon labilen Menschen.
Gesetzt des Falles, der geliebte, jedoch nicht liebende Mensch bekommt Wind von den Gefühlen des Gegenüber, woraufhin sich eine Aussprache entwickelt, dann ist wohl der schlimmste Satz, den der geliebte Mensch zu besten geben kann, gleichsam auch die Art von Humor, auf den die Ironie voll und ganz abfährt.
„Ich liebe Dich auch... als Freund!“
Jetzt 'mal im Ernst...solch ein Satz sollte doch unter Todesstrafe stehen. Dann doch lieber eiskaltes Anlügen!

In diesem Sinne, liebe Leser, überlegt Euch wohl, wenn Ihr Euch anschickt, jemandem Euer Herz zu schenken. Es kann schließlich sein, dass Ihr es schon bald als geklaute Ware auf einem türkischen Basar wiederfindet oder auf Ebay, Startgebot 1 Euro.