Im Laufe eines Lebens widerfahren einem
Menschen die unterschiedlichsten Dinge, positive wie auch negative.
Der Mensch wächst heran. Er mag eine
traurige oder auch eine glückliche Kindheit haben. Es mag sein, dass
er viel lacht, es mag sein, dass er weint. Ihm wird etwas geschenkt.
Anderes muss er sich erarbeiten.
Auch im beruflichen Bereich gibt es
viel für ihn zu erleben. Und auch hier wird es schöne Momente geben
und solche, die er lieber aus seinem Gedächtnis vertreiben möchte.
Von naturwissenschaftlicher Seite aus
betrachtet ist ein Mensch eine Ansammlung von Organen, Knochen,
Muskeln usw. und vor allem Nerven. Letztere bündeln sich in seinem
Kopf und und die über sie transportierten Informationen werden dort
im Gehirn verarbeitet. Die Folgen dieser Verarbeitungen finden sich
in dem wieder, was allgemein hin als Gefühle oder Empfindungen
bezeichnet wird. Dadurch ist es dem Menschen oder vielmehr dem Körper
möglich zu lernen und bei gleichen oder ähnlichen Situationen
entsprechend zu agieren und zu reagieren.
Vernachlässigt man indes diese
biologische Seite, so sieht man einen gänzlich anderen Menschen vor
sich, doch auch hier geht es um Gefühle und Empfindungen. Spirituell
gesehen ist hier die Seele der passende Ansprechpartner. Sie ist die
Antriebsfeder für alles, was der Mensch denkt und macht.
Hier wurzeln eben jene Gefühle, die
aus einem Menschen das machen, als das er allgemein hin betrachtet
wird.
Ob es so etwas, wie eine Seele, gibt,
kann ich nicht beantworten. Da ich kein spiritueller Mensch bin, muss
ich es allerdings verneinen. Die Existenz von Gefühlen und deren
Auswirkungen indes kann ich nicht verleugnen.
Was aber ist das oberste Maximum in
dieser Welt der Gefühle?
Ist es die sogenannte pure Freude, die
unermessliche Tiefe einer Trauer?
Was wiegt mehr?
Ist es der Moment, in dem man erkennt,
dass ein anderer Mensch bedingungslos für einen da ist oder wiegt
der Verlust eines nahestehenden Menschen schwerer?
Aus meiner Sicht liegt dieses Maximum
des Empfindens irgendwo in dem Kanon der Gefühle, die mit dem
lediglich zweisilbigen aber dennoch gigantischen Wort der Liebe
umfasst werden.
Von daher stellt sich die Frage, ob es
etwas schöneres und zugleich schrecklicheres gibt als eben jene
Liebe...
Ich gehe davon aus, dass, wenn ein
Mensch einen anderen kennen lernt und ein gewisses Maß von
Verbundenheit zwischen einander zu sehen glaubt, dies noch lange
keine wahre Liebe ist. Wahrscheinlich ist es eher ein Vergucken oder
im besten Fall ein Verliebt sein. Liebe entsteht erst später, also
dann, wenn einige Zeit ins Land gegangen ist und diese Verbundenheit
auf die Probe gestellt wurde.
Diese Probe kann unterschiedlich
ausfallen. Vielleicht gibt es ein Problem zu meistern oder es gilt,
über einen längeren Zeitraum mit einander zu leben und den anderen
in einer Weise kennen zu lernen, so dass man sich in ihn
hineinversetzen kann.
Manchmal fühlt man sich einfach nur
bei einem anderen Menschen geborgen und ist schlicht glücklich, wenn
man in seiner Nähe sein darf. Die Probe könnte in diesem Fall die
sein, dass man für längere Zeit getrennt von einander ist und sich
eines schönen Tages wiedersieht. Besteht dann diese innere
glückliche Ruhe weiterhin, so könnte auch dies ein Indiz dafür
sein, dass das anfängliche Verliebtsein sich gewandelt und
weiterentwickelt hat.
Sagen wir, dass es eine Verbundenheit
zweier Menschen gibt und dass diese Verbundenheit schon auf eine
Probe gestellt wurde. Sagen wir also, dass zwischen den beiden
Menschen so etwas wie Liebe entstanden ist.
Hier nun sehen wir das sprichwörtliche
höchste der Gefühle. Die Liebe ist der ständige Begleiter der
beiden Menschen. Sie umgibt sie und wärmt sie auf emotionaler Seite
und ganz gleich, wie die äußeren Umstände auch sein mögen, die
beiden Menschen haben immer einander und können sich auf den
jeweiligen anderen verlassen.
Liebe ist somit gleichsam auch ein
Refugium in das sich die beiden zurückziehen können, wenn es einmal
zu schwer wird. Sie ist ebenso der Ruhepol, den die beiden Menschen
nutzen können, um sich zu entspannen und zu erholen.
Sagen wir nun, dass diese Verbundenheit
von einseitiger Natur ist. Einer der beiden Menschen hat die
Verbundenheit für sich erkannt und auch die Probe, auf die sie
gestellt wurde, wurde bestanden.
Erneut ist es zu einem Zustand der
Liebe gekommen, doch diese Liebe ist nicht gegenseitig.
Was wir hier erkennen ist nunmehr der
schlimmste Fall, der einen Menschen treffen kann. Er ist hin und
hergerissen. Auch in dieser Situation wird der Mensch von Liebe
umgeben, auch er hat ein Refugium. Doch gleicht dieser Rückzugsort
eben keinem Ruhepol. Im Gegenteil. Er heizt den Menschen weiter auf,
trübt seinen Blick und lässt etwas, dass zum Greifen nahe ist, in
schier unendlicher Ferne sein.
Der Mensch hat nun zwei Möglichkeiten.
Entweder er gibt auf und verbannt alle den anderen Menschen
betreffenden Empfindungen aus seinem Geist (wieder ein spiritueller
Begriff; vielleicht ist Alltag auch ein Wort der Wahl) und nimmt
emotional so viel Abstand wie irgend möglich, oder er verweigert
sich dieses Rettungsrings. Entscheidet er sich für den zweiten Weg,
so ist er aufgeschmissen und womöglich Gefangener seiner selbst. Was
soll er nun tun?
Der Mensch weiß, dass er auf dem
richtigen Weg ist, dass der andere Mensch ihm als das bieten kann,
was er begehrt (und da sind sexuelle Angelegenheiten noch gar nicht
inbegriffen. Diese sind additiv zu dem zu sehen, was ich bisher
geschrieben habe).
Aber an irgendeiner Stelle beißt der
Mensch auf Granit. Er kommt nicht zu seinem Gegenüber durch.
Gibt es eine eindeutige Lösung für
dieses Dilemma? Die Liebe, die der Mensch empfindet, frisst ihn
nahezu auf und kann entscheidende Auswirkungen auf seinen Alltag
haben. Abgrenzung von anderen, Aggression auf Grund von
Unausgeglichenheit. Nennt es, wie Ihr es wollt. Die Auswirkungen sind
wahrscheinlich mehr als zahlreich.
Und wenn alles schief läuft, entdeckt
der Mensch Strohhalme vor sich aufblitzen. Kleine und
Kleinstlichtblicke, nach denen er greift, um die Barriere zu
durchbrechen und so vielleicht doch noch zu dem anderen Menschen
durchzudringen. An dieser Stelle ist die Suche nach der Nadel im
Heuhaufen wahrscheinlich kaum mehr als eine vage und äußerst
wohlmeinende Umschreibung der Katastrophe, in der sich der Mensch
befindet.
Der Gipfel dieser Apokalypse, dieses
inneren Weltuntergangs, ist demnach zugleich der Todesstoß für den
ohnehin schon labilen Menschen.
Gesetzt des Falles, der geliebte,
jedoch nicht liebende Mensch bekommt Wind von den Gefühlen des
Gegenüber, woraufhin sich eine Aussprache entwickelt, dann ist wohl
der schlimmste Satz, den der geliebte Mensch zu besten geben kann,
gleichsam auch die Art von Humor, auf den die Ironie voll und ganz
abfährt.
„Ich liebe Dich auch... als Freund!“
Jetzt 'mal im Ernst...solch ein Satz
sollte doch unter Todesstrafe stehen. Dann doch lieber eiskaltes
Anlügen!
In diesem Sinne, liebe Leser, überlegt
Euch wohl, wenn Ihr Euch anschickt, jemandem Euer Herz zu schenken.
Es kann schließlich sein, dass Ihr es schon bald als geklaute Ware
auf einem türkischen Basar wiederfindet oder auf Ebay, Startgebot 1
Euro.



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